Über die vermeintliche Herkunft der Vampire
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Der White Wolf-Ansatz
Der erste Vampir überhaupt war Kain, der verflucht wurde durch das Land Nod zu wandern. Verflucht wurde er von Gott oder besser gesagt von einigen der Erzengel Gottes. Seine Kräfte erlernte er von Lilith, Adams erster Frau und angeblicher Königin der Dämonen. Ich persönlich finde diesen Erklärungsversuch geradezu grausig. Er zwingt einem geradezu den Gedanken auf, dass Vampire über dämonische Kräfte verfügen und von Gott geschaffen wurden. Wieso aber würde dieser ein angeblich "böses" Wesen erschaffen, wenn es davon doch schon genug gibt? Ist dann Gott vielleicht doch nicht so "gut" ? Wieso sollte er, aus rein objektiven Gesichtspunkten, einem Mörder ein solches Geschenk zu Teil werden lassen? Sind denn ewiges Leben, übermenschliche Kräfte und Schönheit eine wirkliche Strafe? Er war doch wohl in dem Wissen, dass wenn man ihn auf solche Weise verflucht, er noch weiter morden wird. Ein weiteres Problem an dem White Wolf Ansatz ist vermutlich auch, dass man sich mal wieder für Bibel oder Evolutionstheorie entscheiden muss.
Der Anne Rice-Ansatz
Laut Anne Rice ist Akasha, eine altägyptische Königin, die erste Vampirin (?) . Dies geschah als der Dämon Amel in sie "gefahren" ist. Amel war ein blutdurstiger Dämon, der die Fähigkeit besaß, Menschen Blut ab zu saugen. Der "Geist" Amels' ist seitdem mit Akasha verbunden und mit jedem weiteren Vampir, den sie oder eines ihrer "Kinder" erschafft geht ein Stück von Amel auf die "bekehrte" Person über. So wird schon mal der Blutdurst der Vampire und ihre Herkunft erklärt. Bei diesem Ansatz muss man sich zum Glück nur sehr entfernt Gedanken über den Zwist zwischen Bibel und Evolutionstheorie machen. Nichtsdestotrotz bleibt auch dies nur ein aus verschiedenen Mythen zusammengewürfelter Erklärungsansatz. Dies ist leider auch das Hauptproblem der meisten Erklärungen über die Herkunft von Vampiren.
Die Erklärungen sind absichtlich kurz gehalten, da ich davon ausgehe, dass ihr (die Leser) ebenfalls die entsprechenden Bücher gelesen habt. Ich möchte nur kurz klarstellen, dass dies nicht zwingend heißt, dass ich diese Erklärungen nicht für innovativ halten würde. Ich möchte lediglich aufzeigen, wie wenig sich auf dem Gebiet des Vampirismus in den letzten Jahrhunderten getan hat. Die Ansätze bleiben alle gleich. Nicht ein einziger bleibt auch nur leicht wissenschaftlich. Sicher, der Vampir ist eine Mythengestalt und sollte vielleicht auch so behandelt werden, sprich Erklärungen über Mythen suchen. Aber wäre es nicht mal interessant, etwas Ernüchterndes, wissenschaftlich Angehauchtes zu hören ?
Der Klaus Schenk-Ansatz
Die Frage, der wir uns nunmehr gegenüber sehen sollten, ist nicht länger die, ob es Vampire gibt, sondern die Frage, was Vampire sind bzw. wie sie sind! Die kurze Abhandlung wird mehr Fragen stellen als sie beantwortet, ist aber auch so gedacht, um den wahren Interessierten andere Möglichkeiten aufzuzeigen und sie zum Denken anzuregen. Man soll nicht einfach nur glauben, was sogenannte (selbsternannte) Vampirexperten in ihren Büchern schreiben.
Ist der Vampir nun die laszive, romantische Verführergestalt, wie Lestat oder Bram Stoker's Dracula, oder ist er ein blutrünstiges Monster, wie die meisten Mythen ihn sehen? Kaum einer denkt auch nur daran, den Vampir als Individuum zu sehen, so wie wir Menschen uns betrachten. Aber ein solches Schubladendenken ist typisch für die Menschheit. "Was aber, wenn das Böse nichts erreichen will, sondern das Nichts will?" - Safranski
Gehen wir nun mal davon aus, dass der Vampir kein übernatürliches Wesen ist, dass von irgendwelchen Mächten wie einem Gott, Dämonen oder Engeln erschaffen wurde. Wir wollen uns hier mal kurz auf die Evolution versteifen. Der Mensch ist ein Produkt dieser Evolution und seiner Gene, die daraus resultiert haben. Was aber, wenn der Mensch nicht die einzige "Kreatur" ist, die sich weiterentwickelt hat und intelligent ist? Es wäre doch durchaus denkbar, dass sich parallel zu der Menschheit (homo sapiens) eine zweite Spezies entwickelt hat, die vom Aussehen her dem Menschen gleicht, aber dem Menschen gegenüber genetisch verschieden ist. Es ist Fakt, dass Wissenschaftler das Gen gefunden haben, dass für den Alterungsprozess verantwortlich ist. Prognosen gehen so weit, dass diese Wissenschaftler der Meinung sind, in knapp 20 Jahren das Gen entschlüsselt zu haben und dem Menschen so ein wesentlich längeres Leben gewähren zu können (ca. 50 % länger). Diese zweite Spezies ist nun genetisch so veranlagt, dass bei ihnen ein nur sehr langsamer oder vielleicht sogar kein Alterungsprozess stattfindet. So würde sich schon einmal das Alter, beziehungsweise die Unsterblichkeit des Vampirs erklären.
Die Sache mit dem Blut. Diese zweite Art hat sich kannibalistischer entwickelt als die Menschen. So wie die Indianer glaubten, dass der Skalp ihres Feindes ihnen ihre Kraft verleihen würde, so könnte diese Spezies geglaubt haben (oder noch immer glauben), dass Blut ihre Kraft erhöht. Aufgrund dessen trinken sie das Blut anderer. Oder es ist einfach ein, wie wir Menschen sagen würden, genetischer Defekt, der sie veranlasst Blut zu trinken. Außerdem ist Blut ein äußerst nahrhafter Stoff: Er enthält Proteine, Fett und andere Nährstoffe. Die afrikanischen Massai ernähren sich sogar hauptsächlich von Blut und Fleisch.
Die Magie oder übernatürlichen Kräfte der Vampire. Ich bin mir sicher, dass jeder von uns eine Person kennt, der es nicht schwer fällt, andere leicht von den eigenen Ideen zu überzeugen. Leute dazu zu animieren Dinge zu machen, die sie normalerweise nie machen würden. Ein Ausdruck für solche Personen ist ein "Pusher". Es sind Manipulatoren und Blender. Ihr natürliches Charisma erlaubt es ihnen, mental schwächere Personen leicht für ihre Zwecke zu gewinnen. So etwas könnte man durchaus auch als Magie bezeichnen.
Wir könnten auch davon ausgehen, dass es Magie in Form von Zaubersprüchen und Flüchen wirklich gibt. Wir könnten auch sagen, dass in jedem Menschen ein Potential dafür steckt. Vielleicht haben wir es einfach zu nutzen verlernt. Die Technik, Moral und "Zivilisierung" hat ihren Teil dazu beigetragen. Was aber, wenn diese andere Spezies es nicht verlernt hat?
Über den modernen Vampirglauben
Wir leben in einer Zeit des Unglaubens und der Unsicherheit. Mehr als jemals zuvor sind die Kirche und die Religionen die Rettungsinseln der Verzweifelten. Egal wie stark dieser Unglauben aber auch sein mag, der Aberglaube befindet sich in einem neuen Wachstum. Die primäre Treibkraft dieses neu entflammten Aberglaubens ist der Vampir. So wie er von vielen Menschen verspottet und verhöhnt wird, so ist er für andere Menschen die Rettungsinsel. Mit dem Gedanken über das Leben eines Vampirs, seine Gefühle und Kräfte können sich mittlerweile sehr viele Menschen trösten und/oder in eine andere Welt flüchten. Gerade in den letzten Jahrzehnten hat sich der Vampir stark verändert. Er ist nicht länger das untote, gedankenlose Monster von einst. Mittlerweile ist der Vampir ein denkendes, erotisches und unzufriedenes Wesen geworden. Er ist der Verführer und Liebhaber, der es nicht länger nötig hat, sich seine Opfer mit Gewalt zu nehmen. Wo bei Bram Stoker noch die Romantik im Vordergrund stand, so ist es bei Anne Rice der sexuelle Akt an sich. Man könnte sagen, dass sich der Vampir der Gesellschaft dieses Jahrhunderts angepasst hat. In den letzten Jahren erfreute sich die Vampir-Subkultur einer immer größer werdenden Fangemeinschaft.
Der moderne Vampir ist eine Kombination aus allen bisher bekannten. Er vereint in sich das Monster, den Charmeur, den Jäger, die Erotik und die absolute Freiheit. Ein Vampir ist frei von den Lastern der Gesellschaft und hat sich dieser nicht zu unterwerfen, da er ein mächtigeres Wesen ist. Er unterliegt weder den Gesetzen der Menschen noch denen der Natur. Im gehört die Ewigkeit. Der Vampir ist frei zu tun und zu unterlassen wie es ihm beliebt. Die Vereinigung all dieser Eigenschaften erlaubt eine große Fangemeinde aus den unterschiedlichsten Schichten der Gesellschaft. Jeder kann, wenn er will, etwas an dem Vampir finden, was ihm gefällt.
Dies blieb auch den Medien und anderen kapitalistischen und kommerziellen Organisationen nicht verborgen, so dass der „wahre" Fan sich immer weiter aus dieser Subkultur entfernt.
Das Resultat diese „Booms" ist die komplette Vermarktung des Objekts Vampir. Die Zahnbürstenwerbung war nur der Anfang, gefolgt von jeder Menge Schundliteratur, B-Movies bis hin zu den „Vampir – Gummibärchen". Das Wort „Vampir" findet sich auf einem breiten Spektrum von Alltagsgegenständen wieder : PC – Lautsprechern, Feuerzeugen, Werkzeugen, Staubsaugern etc.
Diejenigen, die den Mythos wahrhaft erforschen wollen, müssen sich zunächst durch einen unendlichen Dschungel von Informationen kämpfen, die größtenteils unbrauchbar sind. Leider ist dies noch nicht alles.
Diese Vampir – Subkultur hat sich auch noch aufgespaltet in die Goth’s / Dark Waver, die LARP’er, Forschergruppen und die Romanfans. „Suchende" gibt es in jeder dieser Gruppierungen. Für den Neuling auf dem Gebiet dieses Mythos ist es schier unmöglich, den Überblick zu behalten.
Durch diese Überreizung und den „Missbrauch" dieses Mythos, wird die Vampirgestalt bald ihren Reiz verlieren und man wird bald kaum noch zwischen kompetenten Informationen und Schund zu unterscheiden wissen.